"Erziehung"?

Erziehung.

 

Das ist so ein Wort. Er-ziehung. Das hat was mit ziehen zu tun. Auf-ziehen. In-eine-Richtung-ziehen.

 

Bevor ich Mutter wurde, war mir ziemlich klar, wie ich meine Kinder mal "erziehen" werde. Erziehung ist ja wichtig, sagt man.

 

Wenn Kinder nicht erzogen sind, sind sie ungezogen. Sie machen was sie wollen, tanzen einem auf der Nase herum. Und wer will das schon?

Also ich wollte das nicht.

 

Naja, aber wie es bei so vielen Sachen ist, kam es dann irgendwie doch ganz anders als erwartet.

Man fängt ja glücklicherweise "klein" an.

Als meine erste Tochter geboren wurde (sie war ein 24h-Baby wie es im Buche steht), kam ich ziemlich schnell zu Attachment Parenting und bin dann ziemlich schnell im  Continuum Concept gelandet. Stillen, Tragen, Familienbett, ich schaue, beobachte, ich lasse machen. Ich rette im Notfall ;)

Ja, mit Einjährigen ist das alles ganz einfach. Ich habe das alles ganz und gar unbewusst gemacht, ohne Anleitung oder Bewusstsein dafür, dass es Namen für diese Art von Umgang mit dem Kind gibt.

Ich bin nicht besonders ängstlich mit meinen Kindern, habe ihnen immer von Anfang an sehr viel zugetraut, die meisten Entscheidungen selbst treffen lassen und war damit sehr zufrieden.

Die ersten zwei Jahre hatte ich bei meinem ersten Kind nicht einmal das Bedürfnis, zu "erziehen", so dass ich mir darüber erst mal so gar keine Gedanken machte.

 

Aber Kinder werden ja größer und das Leben mit ihnen bekommt neue Dimensionen.

Nun ist es so, dass ich als Kind (und auch heute noch zeitweise) von meinen Eltern erzogen wurde. Man macht das ja so, damit aus den Kindern was ordentliches wird.

Und dieser Erziehungsaparat steckt natürlich auch in mir drin. Ich habe das so gelernt, gelebt. Kinder werden erzogen.

Man zieht sie in eine Richtung, formt sie nach seinen Vorstellungen und muss das ganze natürlich auch irgendwie steuern. Das geschieht dann durch die zwei Wunderwaffen der Erziehung. Belohnung und Bestrafung.

 

Aber irgendwie bin ich (zum Glück, wie ich finde) ziemlich schnell da hin gekommen, das alles in Frage zu stellen.

Den Sinn zu hinterfragen.

 

Wofür erziehen wir Kinder?

Wie sollen Kinder sein?

Was soll aus ihnen werden?

 

Das Problem ist ja, dass die Kinder, die Erwachsene haben wollen, nicht die Erwachsenen werden, die sie haben wollen.

Aus folgenden, braven und leisen Kindern werden wohl keine selbstsichere, selbstständige Erwachsene, bestenfalls mit eigener Meinung, frei und selbst denkend. Okay, so pauschal kann ich das natürlich nicht sagen, aber die Wahrscheinlichkeit ist da.

 

Und die wichtigste Frage ist für mich:

 

Was bringt Erziehung überhaupt?

Hat sie überhaupt auch nur irgendeinen positiven Effekt?

 

Wenn ich mich und meine Kindheit betrachte, dann kann ich diese letzten Fragen ganz sicher mit -nein- beantworten.

Die Erziehungsversuche meiner Eltern haben vielleicht kurzfristige Effekte gehabt. In meinem Fall ist es möglich, dass ich mal aufgeräumt habe, weil ich Angst hatte, oder aufgegessen, weil ich fernsehen wollte. Gut. Wenn das das Ziel ist, dann wurde das erreicht.

Aber auf mich, mich persönlich, heute, hatten diese Versuche keine positive Auswirkung.

Ich esse weder besser, schneller, mehr, noch bin ich besonders ordentlich geworden.

 

Die Frage, die sich da stellt ist, wofür muss man seinen Kindern (und auch sich) so etwas antun, wenn es doch nichts bringt.


Und wenn man das nicht tut, was macht man dann?

 

 

 

"Nicht-Erziehung"?

 

 

Bevor mir überhaupt klar wurde, dass ich nicht erziehe, sind mir so Kleinigkeiten aufgefallen.

Meine erste Tochter wurde gerne als "besonders gut erzogen" tituliert. Das hat mich manchmal etwas stutzig gemacht, weil ich mir Gedanken gemacht habe, wie ich sie wohl erzogen habe, damit sie so ist. Naja, dann fiel mir auf, dass ich eigentlich gar nichts gemacht habe.

Das war wohl ungefähr zu der Zeit, als ich grade Gonzales "In Liebe Wachsen" las. Ein unglaublich tolles und bereicherndes Buch, welches zur Pflichtlektüre aller Eltern gehören sollte.

Das war auch die Zeit, als ich anfing zu realisieren, dass unsere Gesellschaft nicht wirklich nett mit Kindern umgeht.

 

Kinder müssen unheimlich viel.

Kinder dürfen unheimlich wenig.

Kinder müssen vor allem funktionieren, so wie sich die Erwachsenen das vorstellen.

Oft werden Erziehungsmaßnahmen einzig damit begründet, dass "man das so macht".

 

Im Bus leise sein. Macht man so.

Im Wartezimmer still sitzen. Macht man so.

Wenns kalt ist, Jacke anziehen. Macht man so.

Haare kämmen. Macht man so.

Beim Essen sitzen bleiben. Macht man so.

Bitte und Danke sagen. Ganz wichtig. Macht man so.

Immer brav Teilen. Macht man so.

Naja, da gibt es unheimlich viele Beispiele, ihr könnt ja selbst mal drüber nachdenken.

 

 

Ich versuche das mal an den Beispielen Bitte/Danke und Teilen zu verdeutlichen.

 

 

 

 

Bitteschön - Dankeschön

 

Ein wunderbares Beispiel ist für mich das Bitte und Danke sagen.

Das macht man ja so, das gebietet einem die Höflichkeit.

 

An der Wursttheke bekommt das Kind die Fleischwurst in die Hand gedrückt und Mama sagt mit nervös-vorwurfsvollem Blick "Wieee saaaagt man?"

Das Kind stammelt nun bestenfalls mit vollem Mund ein leises "danke".

 

Was hat das Kind, was die Mutter, was die Wurstverkäuferin davon?

 

Das Kind:

Es lernt: Sei dankbar. Auch für ne olle Wurst.
 Und wenn du dankbar bist, sag das gefälligst auch. Und wenn du nicht dankbar bist, weil es dir einfach grad egal ist, dann tu so, als seist du dankbar. Das ist "höflich", das gehört sich so.

 

Die Mutter:

Wenn das Kind danke sagt, muss sie sich nicht schämen. Ihr Kind ist höflich, sie hat ihre Aufgabe gut gemacht. Eine tolle Bestätigung.

 

Die Wurstverkäuferin:

Ja, was hat sie eigentlich davon? Ist ja nichtmal ihre Wurst, die sie da verschenkt.

 

Wenn man nun dieses Bitte-Danke-sagen betrachtet, dann könnte man sich fragen, ob es nicht viel schöner wäre, wenn das Kind sich bedankt, weil es sich bedanken will. Also weil es aus sich heraus Dankbarkeit empfindet und diese auch ausdrücken will.

 

Ich glaube ja ganz fest daran, dass Kinder sich solche Dinge abschauen und nicht "lernen" im Sinne von beigebracht bekommen müssen.

Wenn ich mich bedanke, sieht mein Kind das und wird - im besten Fall, so ganz ohne Druck - irgendwann auch damit beginnen. Wenn es an der Zeit ist.

 

 

Ich bin sehr froh, dass meine große Tochter auf die Frage "Wie sagt man?" Keine Antwort hätte. Sie würde mich wohl ziemlich fragend anschauen und sich fragen, wie man wohl so sagt.

Und deswegen durfte ich auch etwas großartiges erleben. Nämlich das erste Danke meiner Tochter, nur für mich.

Sie war etwa grade 4 Jahre alt, als sie zu mir kam, mich umarmte und aus vollem Herzen "Dankeeeee" sagte.

Das war ein ehrliches Danke, das aller erste überhaupt. Ich war so glücklich, ich hätte fast geheult.

 

Diese wundervolle Situation hätte ich nicht erlebt, wenn ich sie vorher immer dazu gezwungen hätte, sich für jeden Quatsch zu bedanken.

Und darüber freue ich mich.

Jetzt ist sie 5 und ein bisschen, und sie bedankt sich, wenn sie es für nötig hält. Wenn ich glaube, dass das Gegenüber ein Danke erwartet, dann übernehme ich nach wie vor diesen Part und bedanke mich einfach.

 

Kleinkinder üben das Bitte-Danke sagen ja auch ganz gerne, allerdings ist das ja noch eher nachplappern. Aber da kann man auch schon mal schön beobachten, wie kleine Kinder Bitte und Danke sagen, ohne dass man es von ihnen verlangt.

 

An diesem Beispiel kann man glaube ich ganz gut sehen, dass diese Das-macht-man-aber-so Floskeln und Taten vielleicht nicht immer sinnvoll sind.

Klar, man muss vielleicht mal mit dummen Kommentaren klarkommen, aber das ist uns zumindest bisher noch nicht passiert.

 

 

Wichtig ist denke ich, dass ein Danke aus dem Herzen kommt. Und da kann es nicht herkommen, wenn es erzwungen, anerzogen wird.

 

 

 

Teilen?

 

Ein weiteres Beispiel, was man so macht, weil man es so macht, ist das Teilen.

Teilen wird bei kleinen Kindern als unheimlich wichtig angesehen.

Wenn ein Kind nicht teilt ist es wohl ungezogen, egoistisch, oder Einzelkind. Jedenfalls steht fest, dass die Eltern wohl was "falsch" gemacht haben, wenn der Spross nicht teilen will. Deswegen achten viele Eltern penibel, dass auch brav die Schüppe abgegeben wird.

 

Bei dem Thema hat mir das oben genannte Buch "In Liebe Wachsen" tatsächlich die Augen geöffnet.

Wie sieht es überhaupt bei uns aus? Was sind wir für Vorbilder? Teilen wir gerne?

 

Ich für meinen Teil gebe zu, ich teile nicht alles bereitwillig mit meinen Mitmenschen.

Besonders nicht meine Handtasche, mein Telefon, Geldbörse, Auto, ja noch nicht mal meine Klamotten teile ich gerne. Klar gebe ich auch mal was ab. Aber nur wenn ich mag - und vor allem - wenn ich den anderen mag.

 

Was von Kindern verlangt wird ist ja allerhand. Wenn das jemand mit mir täte, ich fänd das wohl nicht besonders "toll".

Da bestimmen die Eltern, was die Kinder teilen, sogar mit wem, auch wenn es wildfremde Kinder auf dem Spielplatz sind. Jetzt mag man einwenden, da gehts doch nur um einen Stein, Stock, Schüppe oder Brezel.

Aber ist das wirklich wichtig? Also der tatsächliche Wert?

Dem Kind ist doch egal, ob es ein Stein, oder ein Diamant ist. Es geht nicht um den materiellen Wert, sondern um Eigentum.

 

Meine Kinder müssen nicht teilen, wenn sie nicht wollen. Aber sie machen es oft auch einfach gerne. Das freut mich, weil das natürlich Konflikte vorbeugt. Natürlich kommt es vor, dass meine Kinder beide gleichzeitig das gleiche wollen. Das geht natürlich nicht immer. Aber man kann da auch gut Kompromisse eingehen damit beide Kinder zufrieden sind.

Teilen, weil man das so macht, dass müssen sie nicht. Aber Rücksicht auf andere kann man ja nehmen.

 

 

Stell dir vor, der andere bist du.

 

Dieser Spruch stand mal in einem Glückskeks vom Chinesen. Ich finde diesen Satz einfach super, weil er - grade im Umgang mit Kindern - einen ganz tollen Denkansatz gibt.

 

Wie ich oben schon mal schrieb, ist mir irgendwann aufgefallen, dass die meisten Erwachsenen nicht besonders nett zu Kindern sind. Damit meine ich nicht unbedingt, dass sie sie anschreien, oder ähnliche Grausamkeiten. Nein, ich meine viel kleinere Dinge.

 

Erwachsene dürfen ja alles. Ich habe darüber hier schon mal einen Blogeintrag geschrieben.

Erwachsene entscheiden alles selbst, sie dürfen Dinge, die Kinder nicht dürfen. Und damit meine ich jetzt nicht Auto fahren, Alkohol trinken, sondern so Banalitäten, wie sich selbst auszusuchen, wieviel sie anziehen, ob sie ne Mütze brauchen, ob sie vom Tisch aufstehen, aufräumen, usw.

 

Das Leben des Kindes ist genau durchorganisiert. Das geht so weit, dass die Mutter sagt "Kind, zieh dir was an, mir ist kalt!".

 

Natürlich gibt es Dinge, die Kinder noch nicht entscheiden können, weil sie den nötigen Überblick noch nicht haben. Also reden wir hier nicht vom Anschnallen im Auto oder ähnlichen Dingen.

 

Aber für alle anderen Dinge gilt: Kinder sind kompetent, sie können selbst entscheiden.

Und sie müssen vor allem lernen, selbst zu entscheiden, was man nur lernen kann, wenn man es auch tun darf.

 

Dazu mag ich mal eine kleine Geschichte erzählen, welche sich in meinem Hausflur abspielte.

Ein kleiner Junge, knapp 3 Jahre alt, wollte nicht, dass seine Mutter ihm die Schuhe anzieht, er wollte keine Schuhe anziehen, auf keinen Fall.

 

Jetzt kann man konventionell handeln: Mutter sagt: Schuhe müssen angezogen werden, es sind -3 Grad draußen, es ist kalt, du wirst krank. Kind schreit, windet sich, will nicht.

Man könnte auch meinen, er will nicht nach hause, Ablenkungsmanöver oder so. Schlimmstenfalls bekommt das Kind nun die Schuhe zwangsweise angezogen und schreit dabei (oder gibt irgendwann einfach auf).

 

Aber nein, das ist nicht das, was passierte.

Das war nämlich ein ganz tolles Beispiel für Selbstbestimmung:

Also Kind wollte Schuhe nicht anziehen. Nach kurzem Überlegen, was man tun kann, sagte ich dann zu der Mutter: Lass ihn doch mal ohne Schuhe raus. Mal sehen, was passiert. (Es war wirklich kalt).

Die Mutter war etwas zwiegespalten, fand die Idee dann aber auch ausprobierenswert.

 

Und dann geschah dieses: Kind ging raus, lief ein paar Schritte, kam wieder zurück in den Flur. Er sagte: Der Boden ist kalt, ich brauche Schuhe.

 

Tadaaaaaaaa :) "Problem" gelöst.

Oder war das überhaupt ein Problem?

Es wäre eins gewesen, wenn die Mutter konventionell gehandelt hätte. Ganz sicher.

Aber so war es ganz einfach.

Das kleine Kerlchen wollte nur selbst entscheiden. Er wollte selbst bestimmen, ob er Schuhe anzieht. Und Kinder sind ja nicht doof.

Er war vielleicht noch nie bei -3 Grad barfuß draußen. Er wusste vielleicht gar nicht, wie unangenehm es an den Füßen ist.

Ist es nicht toll, wenn Kinder das erleben dürfen?

 

 

Viele Dinge werden von Erwachsenen einfach entschieden, weil sie meinen, Kinder könnten das nicht selbst entscheiden. Dabei können sie das in den meisten Situationen sehr wohl.

Und wie oft könnten Konflikte vermieden werden, wenn man den Kindern nur mehr Mitbestimmungsrecht zugestehen würde.

 

Und wie sich die Kinder dabei fühlen, wenn immer über sie bestimmt wird, können wir uns leicht vorstellen, wenn wir mal denken:

 

"Stell dir vor, der andere bist du."

 

Stell dir vor, dein Partner sagt dir, welche Schuhe du anziehen musst.

Oder wie laut du zu reden hast.

Oder wie, wann, wo du essen darfst.

Oder, oder , oder.

 

Wenn du ehrlich zu dir bist, wirst du merken, dass sich der Gedanke nicht besonders gut anfühlt.

 

 

Kinder sind auch nur Menschen

 

 

Ja, Kinder sind auch Menschen, nur ein bisschen kleiner.

Und warum werden Menschen so unterschiedlich behandelt.

 

Vor einigen Jahrzehnten war es noch normal, dass man hierzulande mit Frauen so umging, wie es heute noch mit Kindern geschieht. Heute ist das für uns Frauen zum Glück unvorstellbar geworden.

 

Ich wünsche mir, dass man das in einigen Jahren auch in Hinblick auf Kinder sagen kann.

 

Dass wir da hin kommen, dass Kinder zwar nicht gleichberechtigt sind (weil das schlicht weg nicht geht), aber dennoch gleichwürdig und gleichwertig.

Dass Familien miteinander, nebeneinander leben und nicht die Eltern über den Kindern stehen.

 

Kinder sind ja keine Accessoires, die man sich so formen kann, wie es einem am besten passt.

Kinder sind Menschen.

Kinder haben Gefühle, Kinder haben eine Meinung.

 

Und Kinder haben genau so Respekt verdient, wie alle anderen Menschen.

 

 

 

 

Beziehung statt Erziehung

 

 Miteinander leben bedeutet, in einer Beziehung zu leben.

 

 Das geht nicht nur mit dem Lebenspartner, das geht auch mit Kindern auf einer gleichwertigen Ebene.

 

Die Vorstellung dahinter ist, dass in einer gut funktionierenden Beziehung alle Beteiligten glücklich sind. Das heißt, dass weniger Konflikte entstehen, weil der andere nicht verändert werden soll, sondern akzeptiert wird, wie er ist.

 

Wir Erwachsene leben vor, die Kinder leben nach.

Wenn wir einen guten Umgangston pflegen, werden es auch die Kinder tun.

All diese Dinge, die normalerweise "anerzogen" werden, sind nicht nachhaltig, solang die Erwachsenen diese Werte nicht leben. Ich kann nicht total chaotisch sein und von meinem Kind Ordnung verlangen. Das funktioniert nicht (siehe dazu auch den oben verlinkten Blogeintrag).

 

Kinder spüren, ob sie gleichwertig sind, ob sie gleich behandelt werden.

Und wenn sie merken, dass es nicht so ist, werden sie was sagen.

 

 

 

Und was ist mit Konflikten?

 

 

Manche Menschen meinen, es gäbe gar keine Konflikte mehr, wenn man seine Kinder nicht erzieht.

Oder andere Menschen glauben, Kinder machen dann nur noch was sie wollen, kommandieren ihre Eltern rum und tyrannisieren die Welt.

 

Aber weder das eine, noch das andere Extrem sind zu erwarten.

 

Natürlich gibt es Konflikte. In jeder Beziehung gibt es Konflikte, auch in gut funktionierenden.

Konflikte müssen gelöst werden, wir müssen im Gespräch bleiben, den anderen ernst nehmen (auch wenn es ein Kind ist).

Wir müssen an der Beziehung arbeiten, sie pflegen.

Das heißt für mich, ich muss nett zu meinen Kindern sein, genau so wie zu meinem Mann.

 

Aber was ist, wenn mir was gegen den Strich geht und ich was nicht will?

 

 

 

Die eigenen Grenzen

 

 

Erst einmal muss ich wissen, was ich überhaupt will. Und wenn ich das nicht weiß, dann muss ich mir darüber klar werden.

Jedes Familienmitglied bei und hat die gleichen Rechte. Das heißt aber auch, dass jeder das gleiche Recht hat zu sagen "STOP, bis hierher und nicht weiter!".

 

Wenn ich also etwas nicht will, dann haben die anderen das zu akzeptieren. Das kann den Umgang mit meinem Eigentum betreffen, oder auch mal die Lautstärke.

Ich bin z.b. ein sehr geräuschempfindlicher Mensch, ich kann an manchen Tagen "künstlichen" Lärm aus Lautsprecherboxen kaum ertragen, und das muss nicht mal besonders laut sein. Daran müssen sich dann alle halten, es gibt auch keine Extragenehmigung für abendliche actionfilmschauenden Mann (in meiner Gegenwart ;)).

 

Diese Grenzen sind wichtig, aber nicht willkürlich.

 

"Kinder brauchen Grenzen"

 

Das ist für mich einer der schlimmsten Sätze, die ständig überall mal fallen.

Kinder brauchen Grenzen, damit sie sich orientieren können.

Was ist denn mit diesen Grenzen gemeint?

 

Meiner Erfahrung nach sind es nicht die oben genannten persönlichen Grenzen anderer Menschen.

Es sind viel mehr willkürliche Grenzen.

Es sind diese "weil man das nicht macht" Grenzen. Unzählige.

 

Wieviel Grenzen verträgt ein Kind?

Das Leben in der Stadt besteht fast ausschließlich aus Grenzen.

Du kannst nicht aufstehen wann du willst, weil du zur Schule oder Arbeit musst, du musst dich anziehen, du musst dich im Auto anschnallen, bei Rot an der Ampel warten, du darfst nicht einfach überall reinrennen, nicht im Laden mitnehmen, was du willst. So viele Verbote im Alltag, die nicht einfach umgangen werden können.

Wenn nun noch diese "Kinder brauchen Grenzen"-Grenzen hinzu kommen, dann ist das schon eine ganze Menge Grenzen, die ein Kind so verpacken muss.

 

Also versuche ich, mir wirklich gaaanz genau zu überlegen, ob mein Kind jetzt meine persönliche Grenze übertritt, oder ob ich das jetzt einfach nur gesagt habe, weil es mir grad in den Sinn kam.

Manchmal hat man ja so Tage (oder seine Tage), da ist es mit der Geduld nicht besonders gut bestellt. Da kann man sich besonders gut noch mal genau auf sich besinnen und sich fragen, ob das Verbot nun wirklich sein muss, oder nicht.

 

Ich darf dann auch mal sagen "Weißt du was, es war Quatsch, was ich grade gesagt habe, natürlich darfst du."

 

Aber bitte nur, wenn man das auch wirklich so fühlt.

Kinder haben so feine Antennen.

 

Die merken sofort, ob ich etwas ernst meine, oder nicht.

 

 

 

Die Grenzen der Kinder

 

 

Und da Kinder ja auch nur Menschen sind, ist klar, dass auch Kinder Grenzen haben.

Das kann ein "Stop, du kommst nicht in mein Zimmer" sein.

Oder ein "Nein, ich will nicht, dass du meine Haare kämmst".

Oder ein "Nein, ich will keine Jacke anziehen, weil mir warm ist".

 

Diese Grenzen akzeptiere ich genau so, wie ich verlange, dass sie meine Grenzen ankzeptieren.

 

Die körperliche Integrität meiner Kinder ist mir ganz besonders wichtig.

Meine zweite Tochter ist ein Kind, welches von Anfang an ganz kar gezeigt hat, wo ihre eigenen Grenzen sind. Schon als Neugeborene hat sie mir deutlich gemacht, dass sie an der Brust nicht nuckeln will, weil da was raus kommt.

Jetzt kann man natürlich sagen, gib einem 2 Tage altem Baby keinen Schnuller, Saugverwirrung etc.. Aber was machst du mit deinem Kind, wenn es das aber -will-? (ja, ein Neugeborenes kann das tatsächlich zeigen!!!) Ich habe mit Frauen gesprochen, die das nicht verstanden haben, aber für mich war klar, sie braucht und bekommt einen Schnuller, auch schon am zweiten Tag.

Und so zieht sich diese Selbstbestimmung durch ihr bisher 20 Monate altes Leben. Sie hat ganz klare Vorstellungen davon, was und wann etwas mit ihrem Körper passiert. Was sie anzieht, wie sie gewaschen wird, gewickelt, oder auch nicht gewickelt.

 

Über ihre Grenzen gehen, das würde sich ganz falsch anfühlen.

 

Klar geht es manchmal nicht anders.

Manchmal muss ich sie aus dem Spiel reißen oder anziehen, weil wir die Schwester aus dem Kindergarten holen müssen. Dann schreit sie. Laut.

Sie ist wütend.

 

Und das darf sie auch sein.

Es ist nicht nett, wenn ich sie zwingen muss. Also muss ich ihr zeigen, dass ich das nicht aus purer Willkür mache und dass es mir leid tut.

Andere würden sagen, stell dich nicht so an. Aber das ist nicht meine Art.

 

 

 

 

 

Der Weg ist das Ziel

 

 

Die meisten von uns hatten in ihrer Kindheit nicht das Glück, gleichwertig behandel worden zu sein.

Die meisten von uns wurden mehr oder weniger streng erzogen.

 

Das macht es natürlich nicht leicht im gleichwürdigen Umgang mit dem Kind.

Der "automatische Erzieherautopilot" springt auch bei mir mal an, besonders gerne, wenn ich gestresst oder unter Zeitdruck bin.

 

Für mich war wichtig, den Unsinn der Erziehung zu erkennen.

 

Das Erziehung gar keinen positiven Effekt auf die Kinder hat.


Das Belohnung und Bestrafung gemein sind, dass gleichwertiger Umgang diese Instrumente ausschließt.

 

Dass ich mir meiner Grenzen bewusst sein muss und zu meinen Entscheidungen stehen muss, sie aber auch revidieren darf.

 

 

Wir Eltern sind nicht perfekt, niemand ist perfekt.

 

Kinder verlangen auch gar keine perfekten Eltern, aber echt sollten sie sein.

Nach den eigenen Vorstellungen handeln, nicht nach Ratgebern.

 

Der Weg ist das Ziel.

Wenn ich anfange, meine Erziehung in Frage zu stellen, dann ist der Anfang gemacht.

 

Für eine kinderfreundliche Welt!

 

 

 

 

 

 

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