Meine Stoffwindelgeschichte

Stoffwindeln, was hat das mit Bauchgefühl zu tun, fragst Du Dich?

 

 

3 Monate wickelte ich mit Plastik und fühlte mich dabei nicht selten unwohl. Der stinkende Mülleimer, das ganze Geld und vor allem der ganze Müll vermiesten mir die Laune am Wickeln,

Man soll das Wickeln zelebrieren, heißt es.

No way, unmöglich. Es wurde zu reiner Pflichtübung.

 

Bis ich dann durch einen Zufall näher an Stoffwindeln kam. Ich fand den Gedanken ganz interessant, aber ich hatte auch Respekt davor. So viel Arbeit... Das soll ich mir zusätzlich freiwillig antun?

Und wie soll so eine Wollhose dicht halten, die ganze Nacht?

 

Ich las darüber auf der Naturwindelseite und wurde immer neugieriger.

Ich bestellte ein Stoffwindeltestpaket und probierte es einfach aus.

Ich war direkt begeistert, wie einfach es war, und noch mehr begeistert, wie viel Freude mir das Wickeln plötzlich machte.

 

Der Umgang mit den Ausscheidungen meines Kindes. Eigentlich eine ganz normale Sache, soll man meinen.

Mein Bauch sagte mir, das ist richtig so, erfreue Dich an Deinem Kind.

Hab Spaß, auch beim Wickeln. Daher schreibe ich darüber hier an dieser Stelle :)

 

Wegwerfen für den Klimaschutz - oder - vom Quark über Stoffwindeln:

 

Dies ist ein etwas älterer Artikel von mir, bezugnehmend auf einen Sendungsbeitrag von "Quarks und Co" aus dem Jahre 2010. In dieser Sendung kam man zu dem Schluss, es sei egal, ob man jetzt mit Stoff oder Plastik wickelt, der Effekt auf die Umwelt sei gleich. Man bezog sich auf eine Englische Studie, die die Redakteure - im Gegensatz zu mir - aber anscheinend nicht aufmerksam genug gelesen haben.

 

Ich als überzeugte Stoffwicklerin habe den Bericht natürlich gesehen und wurde im Nachhinein oft darauf angesprochen. Darauf hin ist dieser Artikel entstanden, um die Stoffwindel mal ins rechte Licht zu rücken - und die Studienergebnisse richtig darzustellen. Das Ergebnis der Studie ist nämlich, welch eine Überraschung, ein etwas anderes ;)

 

 

Lillys hübscher Wollwindelpopo

Ein hübscher Wollwindelpopo lernt auch laufen

 

 

 

Es ging um Klimarettung an Babys Po. Meine große Hoffnung war, dass ein hochwertiges Wissenschaftsmagazin eines öffentlich rechtlichen Senders endlich mal mit Vorurteilen aufräumt und ein bisschen zu Aufklärung beiträgt. Ich wartete gespannt, welche Argumente die Vorteilhaftigkeit der „Stoffis“ beweisen und welche Zahlen genannt werden.

 

Aber weit gefehlt. Es wurde munter in der ach so modernen Superabsorber- und Vorurteilsbrühe rumgestochert und zum Vergleich ein völlig veraltertes Stoffwindelsystem vorgestellt.

Strickbindewindeln. Komplizierter geht’s nicht.

 

  • „Bist du denn verrückt, dir DAS anzutun!"
  • Bist ja nur noch am Waschen.“
  • „Ist das nicht unglaublich kompliziert?“
  • „Und das soll dichthalten?“
  • “Guck mal wie dick der Po ist, das Baby kann sich ja gar nicht bewegen. Ob es jemals laufen lernt?“

 

Ich könnte Stundenlang weiter Sprüche aufschreiben, die ich schon gehört habe. Aber was ist denn nun ökologischer, Windeln wegwerfen oder die „Ökotanten“-Variante mit dem selber waschen?

 

Wenn man der Wissenschaftssendung also Glauben schenkt, ist es gehopst wie gesprungen.

Doch woher nehmen die ihr Wissen? Genannt wird eine britische Studie („An update lifecycle assessment study for disposable and reusable nappies“, Environment Agency, Science Report – SC 010018/SR2) aus dem Jahre 2008, welche sich (welch ein Glück) auch auf meinem Rechner befindet.

Naja, wenigstens bezieht man sich nicht auf die, vom Einweg-Windel-Hersteller in Auftrag gegebene, Studie aus den 80ern. Was da raus kam, kann man sich ja denken…

Wenn man sich die genannte Studie mal genau durchliest – so genau ist eigentlich gar nicht nötig, es reicht die Zusammenfassung am Ende, nur mal so als Tipp für die Redaktion - wird man feststellen, dass einem im Fernsehen mal wieder viel Quark erzählt wurde. Oder nennen wir es „Halbwahrheiten“.

 

Aber mal der Reihe nach.

 

Die ausgewählte Reporterin, Mutter eines fast 1-jährigen Kindes, geht in einen „Ökoladen“ und lässt sich von der Verkäuferin das einzige vorhandene Wickelsystem zeigen. Bindewindeln, gut geeignet für kleine Babys, weniger gut geeignet für Stoffwindelneulinge mit größerem Baby.

Wickelaufwand: mit Übung gering bis mittel, ohne Übung riesig.

Waschaufwand: mit Übung gering, ohne nachzudenken riesig.

 

Und da tappt sie rein in die Falle. Was meint ihr passiert, wenn man ca. 10 Windeln mit je 2 x 50cm langen Bändern in die Waschmaschine tut? Na, kommt ihr drauf? Die Reporterin kam nicht drauf. Und so steckte sie die Windeln nach der Benutzung in die Maschine und holte am Ende einen dicken verhedderten Klumpen wieder raus.

 

Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen!

 

Ihr Ergebnis, Stoffwindeln sind irre kompliziert und benötigen einen enormen Wasch- äh Entknotaufwand. Naja.

 

 

So schicke Windeln - da braucht man keine Hose mehr!

 

 

Was brauch man noch zum Wickeln? Man empfiehlt der Reporterin - natürlich - einen luftdicht verschlossenen Eimer. Klar, das weiß ja jeder, der schon mal an einer Windelsammlung gerochen hat. Der ekelhafte Gestank aus Chemie und Windeinhalt ist nicht von schlechten Eltern…

 

Wer hingegen aber schon mal an einer Stoffwindeltonne gerochen hat, dem fällt etwas auf: Die stinkt ja (fast) gar nicht. Ich lagere daher die Stoffis meiner Tochter in einer offenen (ja wirklich!!) Oskartonne im Schlafzimmer neben dem Wickeltisch, die Kaki landet ja sowieso direkt im Klo. Ja, so kann‘s gehen. Ein luftdichter Eimer und Stoffwindeln vertragen sich hingegen nicht so gut, Keime vermehren sich, unangenehme Gerüche entstehen....

 

Wenn man Stoffwindeln mal betrachtet, dann sieht man in unserem Fall Windeln in Form einer Wegwerfwindel, einfach in der Anwendung und Pflege. Teilweise selbst genäht (das geht auch! In 30 Minuten!), teilweise gekauft. Sie besteht bei uns größtenteils aus 100% Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau oder Bambusviskose und wurden vor meiner Tochter schon von einem anderen Kind getragen. Hygienisch ist das kein Problem, da die Windeln eine 95°C Wäsche problemlos überstehen. Nötig ist dies aber nicht, in der Regel reichen 60°C für einwandfreie Sauberkeit.

 

Und da wären wir bei den Pluspunkten der potentiell klimarettenden Stoffwindel.

 

Die angegebene Studie besagt, dass die Stoffwindel dann der Wegwerfwindel ökologisch überlegen ist, wenn folgende Punkte gegeben sind:

 

 

• man wäscht sie bei max. 60°C

• in einer voll beladenen,

• energieeffizienten Maschine,

• lässt sie an der Luft trocknen

• und benutzt sie für mehrere Kinder. Voilá. Und ich benutze auch noch Öko-Waschmittel…

 

Juchuh, wir haben eine positive Umweltbilanz!

 

Warum fällt einer Wissenschaftssendung so schwer, eine umfassende Recherche durchzuführen und wertet die Studie nicht vollständig aus? Will man das eigenes Gewissen beruhigen?

 

Der beherzte Griff in die Pämpersschublade am Ende des Berichts lässt jedenfalls darauf schließen...

 

 

 

Die vielen vorteilhaften Punkte der Stoffwindel wurden gar nicht erst erwähnt. Kann es gut für unsere Umwelt sein, etwas tonnenweise wegzuwerfen, wo doch an anderen Stellen immer von Müllvermeidung gesprochen wird?

Und was soll mein Kind lernen? Wenn ich etwas benutzt habe, werfe ich es weg? Es geht doch auch anders.

 

Und selbst wenn die Ökobilanz wirklich ausgeglichen wäre, weil man obige Punkte nicht befolgt, dann sind die gesundheitlichen Aspekte völlig unbeachtet geblieben.

 

Stoffwindeln sorgen durch den Breitwickeleffekt für eine 1A-Hüftentwicklung und das Klima an Babys Po ist besser dank luftdurchlässiger Materialien. Besonders für kleine Jungen ist das von Bedeutung, weil sich die höhere Temperatur (10 Grad en plus im Vergleich zur Stoffwindel) in der Wegwerfwindel negativ auf seine Fortpflanzungsorgane auswirken kann (Jungs haben ihre Hoden ja außen, weil sie diese es gern ein wenig kühler haben).

 

Stoffgewickelte Kinder haben, aufgrund der Luftdurchlässigkeit, seltener Hautprobleme (wie Windelpilz) und sind im Schnitt 1 – 0,5 Jahre früher trocken (was die Industrei natürlich gar nicht mag!).

Warum soll ein Pämperskind auch auf die Idee kommen, nicht mehr in die Hose zu machen, wenn diese doch nicht spürbar nass wird?

 

Und nicht zuletzt mag ich persönlich auch lieber Unterwäsche aus Naturfaser und nicht aus Plasitk tragen. Mich graut die Vorstellung, mein eigenes Kind 3 Jahre lang, Tag und Nacht, in luftdicht verschlossenem Plastik zu verpacken. Nein, die Vorstellung finde ich ziemlich buäääägs. Wer aus der Damenwelt die Wegwerfvariante der Monatshygiene kennt, weiß zumindest, es ist kein schönes Gefühl. Und das stelle man sich nun als Windel vor.

(An der Stelle fand ich den mutigen Bericht eines inkontinenzgeplagten Herren mal ganz erhellend. Er erzählte nämlich, dass er Stoffwindeln viel viel angenehmer findet, auch wenn sie mehr Platz und Waschaufwand brauchen. Er benutzt -freiwillig- lieber Stoffwindeln ;) Was würden unsere kleinen Kinder wohl sagen, wenn sie könnten?)

 

Welche gesundheitlichen Auswirkungen das lecker-hightechchemie-Superabsorbergel, in dem nach der Sendung so freudig rumgepopelt wurde, hat, ist noch nicht bewiesen. Aber der Verdacht auf „krebserregend“ reicht mir schon...

 

 

 

 

Und wie ist das jetzt mit Stoffwindel, ist das wirklich so viel Arbeit?

Nein, Stoffwindeln machen nicht viel Arbeit! Wäsche alle paar Tage mit der Famillienwäsche in die Maschine laden, Knöpfchen drücken, den Rest erledigt das Gerät von selbst.

Okay, aufhängen muss ich das dann…aber das schaffe ich so grade eben noch.

 

Kompliziert? Das kann sich jeder selbst aussuchen.

 

Es gibt heute eine unglaublich große Auswahl.

Von Mullwindelorigami bis hin zum wahren Hightech, der All-in-one (AIO) Windel.

Da muss nicht mal mehr ein Nässeschutz drüber.

Für den Urlaub oder Unterwegs gibt es Hybridwindeln, diese bestehen aus einem wasserundurchlässigem (aber luftdurchlässigem) Außencover, und können wahlweise mit Saugeinlagen aus Stoff oder für unterwegs mit einer superabsorberfreien Wegwerfeinlage genutzt werden. Diese dürfen sogar ins Klo!

 

Und hübsch aussehen tun sie auch noch, Die Stoffis!

Für Unterwegs der Knaller! Auslaufsicher? Aber wie! Der Auslaufschutz ist um Längen besser als bei Wegwerfwindeln. Keine vollgekackten Bodys mehr, keine nassen Schlafanzüge!

So kann man auch Wäsche sparen!

Und der dicke Po? Was soll‘s? Ist handlicher. Und sitzt besser im Tragtuch. Und ihre ersten Schritte machte meine große Tochter unterm Weihnachtsbaum, eine Woche vor ihrem ersten Geburtstag!

 

 

Last but not least:

 

 

Stoffwickeln macht Spaß!

Die Anschaffungskosten hat man einigen Monaten wieder raus und Stoffwicklen wird sogar von einigen Städten finanziell unterstützt. Und ist es nicht auch schön, tatsächlich etwas für die Umwelt zu tun? Unsere Politiker kümmern sich nicht, aber wir sollten es doch tun. Unseren Kindern zuliebe!

Und was brauche ich alles zum Stoffwickeln?

Was Du brauchst, hängt in erster Linie damit zusammen, für welches Wickelsystem Du Dich entscheidest.

 

Um ein paar Anhaltspunkte zu haben:

 

  • als erstes natürlich Windeln, ca. 25 - 30 Stück (je nach dem, ob du einen Trockner verwenden möchtest, oder nicht) Ich verrate mal, Du wirst am Ende wahrscheinlich mehr Windeln haben, weil das Ausprobieren so viel Spaß macht ;)
  • passende Windeleinlagen, 30 Stück
  • 4 Windelüberhosen aus Wolle oder PUL (wenn du AIOs benutzen willst, brauchst Du natürlich keine Überhose)
  • ein wasserdichter Windelbeutel für Unterwegs
  • eine große Oskartonne
  • Spaß daran, was neues zu probieren!

 

 

Wenn du magst, melde Dich bei mir über das Kontaktformular, oder telefonisch, ich berate Dich gerne, was die Auswahl Eurer Windeln betrifft!

 

 

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