Windelfrei ?

Wenn ich irgendwem erzähle, dass meine kleine Tochter "teilzeitwindelfrei" ist, ernte ich in den allermeisten Fällen erstaunte bis völlig entsetzte Reaktionen.

 

Babys und Windeln gehören für die meisten zusammen. Das die meisten Babys weltweit ohne Windel aufwachsen, das wissen hingegen die wenigsten.

Ich zähle mich mal dazu. Bis vor einiger Zeit glaubte ich auch noch der gängigen Info, dass Babys ihre Schließmuskeln nicht kontrollieren können und daher nicht vor einem bestimmten Alter trocken werden -können-. Körperlich nicht dazu in der Lage sind.

 

Ich habe mich zwar ab und an mal gefragt, wie die Menschen das früher gemacht haben, oder auch, warum ältere Menschen immer erzählen, ihre Kinder waren mit 1,5 Jahren "trocken", aber so richtig hinterfragt habe ich es nicht, da in meinem Kopf Baby=Windel.

 

Wenn ich mich heute umschaue, dann sind die meisten Kinder irgendwann um den 3.Geburtsag trocken, meine Große war mit knapp 2 sehr früh im Vergleich zu unseren bekannten Gleichaltrigen, da waren schon viele verwundert, auch wenn es ja mit 2 nun nicht so sonderlich war. Ich wurde oft gefragt "wie ich das gemacht habe". Nunja, gemacht habe ich gar nichts. Mein Kind wollte von heute auf morgen keine Windel mehr und so war es dann.

 

Ich glaube, das größte Miss(oder Un-)verständnis entsteht aus dem Begriff "Windelfrei" selbst. Noch längst nicht alle windelfreie Babys sind tatsächlich auch windelfrei. Sehr viele (und dazu zähle ich uns auch mal) tragen trotzdem Windeln, zumindest in bestimmten Situationen.

Als back-up sozusagen.

Im amerikanischen Raum wird windelfrei "elimination communication" genannt. Das finde ich persönlich sehr viel passender, weil es besser beschreibt, um was es eigentlich geht.

 

 

Was ist Windelfrei eigentlich?

 

Windelfrei, damit ist eigentlich die Kommunikation zwischen Eltern und Kind, in diesem Fall über die Ausscheidungsbedürfnisse des Kindes, gemeint.

 

Babys werden mit ungeheuer tollen Werkzeugen geboren, von denen wir heute leider nicht mehr so viele kennen. Eines ist das Bewusstsein über die eigenen Ausscheidungen. Ja, ihr habt richtig gelesen. Neugeborene sind in der Lage, ihre Ausscheidungen anzukündigen, quasi um ihr Nest sauber zu halten.

Wie die Babys ihr Bedürfnis signalisieren, kann ganz unterschiedlich sein. Manche Babys fangen an unruhig zu werden, manche knöttern oder schreien los, ohne dass ein anderer Grund erkennbar ist. An dieser Stelle hatte ich den A-ha Moment, als ich mein nacktes Baby mal beobachtete und sie plötzlich zu meckern begann und dann kurz darauf lospieselte. Dieses spezielle Meckern war mir durchaus bekannt, nur habe ich leider bis dahin nicht gewusst, was sie mir damit sagen will. Erst, als ich mich näher mit der Windelfreithematik befasste, fiel mir das auf.

Andere Babys machen bestimmte Bewegungen oder Gesichtsausdrücke.

 

Welches Zeichen das Baby macht, muss man einfach beobachten und kennenlernen. Oft werde ich gefragt, ob das nicht irre aufwändig wäre, das Baby ständig zu beobachten. Aber das kann ich verneinen. Man beobachtet das Baby ja sowieso ständig. Und irgendwann bekommt man einfach ein Gefühl dafür, wann es mal muss. Ebenso wie man bemerkt, dass das Kind hungrig ist. Das ist grob gesehen ja nichts anderes und auch nur ein bestimmtes Bedürfnis.

 

Im Laufe der Babyzeit können sich die Signale ändern, neue hinzukommen, mal mehr oder weniger signalisiert werden. Wir haben recht spät begonnen, auf die Signale zu achten (sie war schon fast 9 Monate alt), es war streckenweise echt schwierig, ein Muster zu erkennen.

 

Ich verlasse mich ganz oft einfach auf mein Bauchgefühl und weiß inzwischen auch, dass sie zu bestimmten Situationen bestimmt mal muss. Das ist bei uns zum Beispiel direkt nach dem Aufwachen oder während des essens.

Ich weiß, dass sie mal muss, wenn sie z.B. im Spiel stoppt und kurz inne hält. Sie hat dann einen ganz speziellen Blick drauf. An der Stelle muss ich aber schon schnell sein ;) Morgens nach dem Aufwachen habe ich mehr Zeit, da pieselt sie quasi auf mein Kommando hin.

 

Ja, auch Babys können die Blase kontrollieren. Sowohl um anzuhalten, als auch um in bestimmten Situationen auf Kommando zu pieseln. Ich biete ihr eine Gelegenheit an: Wenn sie kann, macht sie, wenn nicht, muss sie auch nicht. Quasi wie, wenn ich die große Tochter bitte, noch mal aufs Klo zu gehen, bevor wir das Haus verlassen.

 

 

Bei kleinen Babys sind Schlüssellaute hilfreich, die man macht, wärend man sie abhält. Ein schhhhhhh oder ein pssssschhhh oder ähnliches beobachtet man weltweit in vielen Kulturen.

Wenn ich meine Tochter als Minibaby fürs große Geschäft abgehalten habe, habe ich auch da Geräusche gemacht, ohne zu wissen, was ich tue. Ich hatte mich da noch nicht mit Windelfrei befasst und instinktiv so gehandelt.

 

 

 

Kommunikation und Bindung

 

Kommunikation, dass ist eigentlich das wichtigste Windelfrei-Werkzeug.

 

Ich stehe in einem ständigen Kontakt zum Baby und nehme seine Signale wahr, deute sie, kommuniziere mit dem Baby. Das ist kein Hokus-Pokus, je lockerer man an die Sache rangeht, desto einfacher ist es.

 

Die ständige Kommunikation stärkt natürlich die Mutter-Kind-Bindung.

 

Vereinfacht wird die Kommunikation, indem man dem Baby möglichst nah ist, es viel im Tragetuch trägt und nachts neben sich schlafen lässt. Viele Eltern berichten, dass sie die Signale des Babys am besten erkennen, wenn das Baby im Tuch ist.

 

 

Und warum ist Windelfrei so toll?

 

Windelfrei ist natürlich. Die Natur hat keine Windeln vorgesehen, sie hat uns Müttern und unseren Babys tolle Werkzeuge mitzugeben, damit wir Windeln gar nicht erst brauchen.

 

Eigentlich ist es ein Irrsinn, über die Bedürfnisse der neugeborenen Babys hinweg zu entscheiden, dass sie eine Windel brauchen. Wir bringen ihnen bei, ihre Windel als Klo zu nutzen und nicht auf ihren Körper zu hören, um ihnen das Jahre später wieder mühsam abzutrainieren. Schlimmer noch wird ständig behauptet, Babys -könnten- das gar nicht anders.

 

Natürlich können sie. Und sie wollen auch.

 

In meiner zweiten Tochter habe ich ein Kind, welches sehr willenstark ist und genau zeigt, was sie will und was nicht. Sie hat mir von Anfang an eigentlich ziemlich deutlich gemacht, dass sie windelfrei sein möchte. Manchmal denke ich, schade, dass ich es nicht eher schon probiert habe. Aber gut, Zeitmaschinen haben wir nicht und die Situation ist, wie sie ist.

Sie hatte immer große Probleme mit der Verdauung. Seit sie morgens abgehalten wurde, oder inzwischen ja aufs Klo geht, hat sie keine Verdauungsprobleme mehr. Sie macht einfach. Das ist für uns ein ganz großer Pluspunkt, wenn nicht sogar der größte.

 

Wenn man die Bedürfnisse der Kinder achtet, ist es einfach schön, dieses wichtige Bedürfnis auch wahrzunehmen. Lange Zeit war mir nicht bewusst, wie wichtig dieses Bedürfnis ist..

 

 

 

Wenn ihr wissen wollt, wie wir zum Windelfrei gekommen sind, oder wie es um den ersten Geburtstag rum lief, könnt ihr hier gerne nachlesen:

 

Unser Start in die Windelfreiheit

 

Windelfrei für Späteinsteiger

 

 

Und für Weiterleser habe ich hier noch Buchtipps für euch.

 

 

 

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