Windelfrei

Heute geht es mal um Bedürfnisse.

Viel zu spannend ist das Thema, als dass ich nicht darüber schreiben möchte.

 

Windelfrei. Freiheit.

 

Gehört habe ich davon vor langer Zeit, irgendwann, als die große Tochter ein Baby war. Allerdings habe ich den Gedanken nie so ganz ernst genommen. Ich dachte immer, das sei was für totale "Freaks" (macht mich das jetzt letztendlich zum Freak? Oder war ich es schon vorher??? ;))

Naja, wie dem auch sei, in weiten Teilen unseres Planeten machen sich die Menschen keine Gedanken um Windeln, dort gibt es einfach keine.

Aber wie machen die das dort?

Dass das einfach so klappen könnte, darüber habe ich nie nachgedacht. Zu sehr ist meine Vorstellung geprägt von unserem kulturellen Gedankengut.

Babys und Windeln, das gehört doch einfach zusammen. Oder etwa nicht?

 

Beim zweiten Kind ist mir von Anfang an aufgefallen, dass sie recht deutliche Signale gibt, wenn sie mal muss. Das große Geschäft habe ich schon lange, mal mehr, mal weniger zuverlässig abgehalten. Aber Pipi? Ich hätte nicht gedacht, dass das auch so einfach sein könnte.

 

Jedenfalls war vor kurzem "Windelfreiwoche" und ich habe ein bisschen mehr zu dem Thema im www gelesen (DANKE für die Woche!!!!! DANKEEEEE). Je mehr ich darüber las, desto mehr wollte ich es einfach wissen. Ist das wirklich so einfach? Naja, ein bisschen entmutigt hat mich die Tatsache, dass es recht schwierig sein soll, mit größeren Babys zu starten, mein Baby ist ja schon 9 Monate alt zu der Zeit. Aber ich war trotzdem neugierig genug. Öfter mal was neues, ich experimentiere ja gerne rum.

 

Und was habe ich schon zu verlieren? Nichts.

Genau. Und deswegen habe ich es einfach ausprobiert.

 

Ich habe also angefangen, sie zuhause ohne Windel zu lassen. Unterwegs trägt sie weiterhin als Backup eine Windel, das ist mir (noch?) zu riskant (ich halte sie untwerwegs aber trotzdem ab). Ich beobachte ihre Signale und mache faszinierende Entdeckungen. Viele Reaktionen ihrerseits sind einfach nur "Pipiwünsche". Wenn ich daran denke, wie oft sie bisher wohl geweint hat, weil sie einfach nur pipi musste.... Oder im Schlaf wach wurde.... Und ich habe mich in diesen Situationen immer gefragt, was sie nur hat... Na gut, da werde ich eines besseren belehrt.

 

Es geht ja um gegenseitige Kommunikation - und da muss ich einiges dazulernen.

Es ist schon eine kleine Herausforderung, aber es macht mir unheimlich Spaß!

Ich bemerke, dass es uns unheimlich gut tut, dieses wichtige Bedürfnis zu achten.

Mein Baby scheint wirklich zufriedener und regelrecht dankbar. Sie freut sich richtig darüber und hat total Spaß daran, auf den Boden zu pieseln, hihi...

Und nebenbei lerne ich völlig neue Seiten an meinem Baby kennen.

Der amerikanische Begriff für Windelfrei ist "Elimination Communication". Den Begriff finde ich noch ein bisschen passender. Wir sind nicht ganz windelfrei, wir kommunizieren. Und wir nehmen Bedürfnisse wahr.

 

Für uns ist es am wichtigsten, dass ich sie nach Intuition in bestimmten Situationen abhalte. Besonders nach dem Schlafen oder Tragen muss sie recht zuverlässig. Dann biete ich es ihr einfach an und in aller Regel macht sie dann auch direkt.

Wenn sie im Spiel vertieft ist, geht es schon mal in die Hose, aber gut, das gehört dazu.

Im Tragetuch und im Schlaf signalisiert sie ganz sicher und zuverlässig. Das Tuch ist also auch hier der beste Freund :)

 

Und es geht ja auch nicht darum, dass sie "trocken wird". Es ist ja kein Wettbewerb oder ähnliches.

Es ist ein Angebot für mein Kind. Wenn sie es annehmen will, wird sie es tun.

 

Und mein Baby will es annehmen. Sie ist anscheinend ein perfektes Windelfreibaby, dass sich auch nicht davon abhalten lässt, sich nach 9 Monaten noch an Windelfrei zu gewöhnen.

Sie hat sich nämlich so schnell daran gewöhnt, dass sich unsere Windelwäsche extremst minimiert hat.

In der Nacht macht sie seit gut 1,5 Wochen einfach gar nicht Pipi. Wenn ich sie morgens dann abhalte, macht sie sofort. Interessant an dieser Stelle ist auch, dass sie keine Verdauungsprobleme mehr hat. Sie macht morgens einfach und muss sich nicht mehr quälen. Das ist für uns sicher der größte Gewinn an der Sache.

Tagsüber ist es immer unterschiedlich. Im Schnitt haben wir hier momentan so ein-zwei nasse Windeln oder Höschen am Tag.

Das ist schon ein toller Schnitt für den Anfang, wie ich finde. Auch unterwegs klappt es super. Oft gibt es halt noch Situationen, in denen ich denke "jaaa, ich hätte es wissen sollen". Was mich bruhigt ist, dass ich es eigentlich schon wusste - instinktiv - aber nicht gehandelt habe, weil ich es nicht genug wahrgenommen habe.

Aber da muss -ich- noch üben, wie gesagt.

 

Ich hätte nieeee gedacht, dass es so einfach funktioniert. Ich bin froh, diesen Schritt gewagt zu haben und bin ganz gespannt, wie es sich weiter entwickelt.

 

 

Für mich ist wichtig, dass es uns beiden Spaß macht und kein Zwang ist.

Ich will dieses Bedürfniss meines Babys wahrnehmen.

Ich will ihr die Möglichkeit geben, trocken zu bleiben, wenn es ihr Wunsch ist - und es scheint so, als sei es ein großer Wunsch.

 

Bedürfnisorientiert.

  Und nebenbei noch ein bisschen besser für die Umwelt :)

 

Ein bisschen traurig bin ich, dass ich es nicht eher versucht habe.

Aber gut. So ist es nun eben.

 

Und ich möchte allen den Mut habe, es auch mit größeren Babys einfach auszuprobieren.

Mehr als "in die Hose gehen" kann es ja nicht ;)

Probiert es einfach mal aus :)

 

Viel Spaß!

 

 

 

Und nebenbei nähe ich grad noch geeignete Backups :) Die zeige ich dann beim nächsten mal.

 

 

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